Italien
Für Reisende, welche sich auf den großen touristischen Campingplätzen ebenso fehl am Platz fühlen wie ich, habe ich hier wieder einen interessanten Tipp aus meinen umfangreichen Reisegeschichten: Bauernhof- oder Agri-Camping. Naturnahes Campen und die Nähe zum Menschen wird hier groß geschrieben, denn man wird eingeladen, auf privaten Grundstücken zu übernachten. Diesmal bin ich in Norditalien unterwegs und nächtige auf einem Weingut Nähe Udine und einem nördlich von Verona.

Es ist der erste Dezember und dementsprechend unwirtlich das nasskalte Wetter. Ich bin mit meinem Van „Grooty“ auf dem Weg von Österreich nach Spanien und möchte auf meiner Reise auch das nördliche Italien im Winter besser kennen lernen. Aber abseits der großen Touristenzentren.

Seit dem Sommer bin ich Mitglied bei der Camping-App und -Plattform Agricamper Italia. Für einen geringen jährlichen Mitgliedsbeitrag steht einem eine große Auswahl an privaten Stellplätzen für eine Nacht zur Verfügung.

Weingut mit späktakulärer Aussicht Nähe Udine

Heute entscheide ich mich für ein Weingut, welches etwa 20 km nördlich von Udine inmitten einer traumhaft schönen Weinreben-Landschaft liegt. Die Reservierung erfolgt problemlos über die App von Agricamper Italia und ich werde am späteren Nachmittag von Weingutbesitzer Walter herzlich empfangen.

Im Winter ist es um diese Uhrzeit schon dunkel und mein Stellplatz bietet mir eine spektakuläre Aussicht über die Weinberge hinab auf die Stadt Udine. Walter ist ein sehr aufmerksamer Gastgeber, wir plaudern recht lange über dies und das und er führt mich über das Weingut, welches bereits seit fünf Generationen in Familienbesitz ist. Mit viel Liebe und Leidenschaft erzählt er über die Traditionen ebenso wie über die Herstellung seiner ausgezeichneten Weine und bietet mir ein Achterl zum Verkosten an.

Beim meiner abendlichen Ankunft auf dem Weingut Micossi darf ich ein unglaubliches Panorama auf Udine genießen.
Beim meiner abendlichen Ankunft auf dem Weingut Micossi darf ich ein unglaubliches Panorama auf Udine genießen.
Am nächsten Morgen erwache ich und mein erster Blick nach draußen ist umwerfend schön. Bei schönem Wetter sieht man bis an die Adriaküste, erzählt mir Gastgeber Walter.
Am nächsten Morgen erwache ich und mein erster Blick nach draußen ist umwerfend schön. Bei schönem Wetter sieht man bis an die Adriaküste, erzählt mir Gastgeber Walter.
Zwar zwingt mich das regnerische Wetter zu einem Frühstück im Inneren meines Vans, aber der Ausblick auf das Gut Micossi ist auch aus dem Auto sensationell.
Zwar zwingt mich das regnerische Wetter zu einem Frühstück im Inneren meines Vans, aber der Ausblick auf das Gut Micossi ist auch aus dem Auto sensationell.

Am Morgen weckt mich ein leises Klappern in einiger Entfernung meines Stellplatzes. Heute wird abgefüllt. Walter erzählt mir, dass die Händler sich bereits auf das Weihnachtsgeschäft vorbereiten und nun bei ihm in größeren Mengen bestellen. Die ganze Familie hilft an diesem Morgen zusammen und ich darf zusehen und die Abläufe auf Fotos festhalten. Meine neugierigen Fragen werden geduldig beantwortet, auch wenn wir uns aufgrund kleinerer sprachlicher Barrieren oft mit Gesten weiter helfen müssen.

Heute wird Wein für das Weihnachtsgeschäft abgefüllt. Die ganze Familie hilft mit.
Heute wird Wein für das Weihnachtsgeschäft abgefüllt. Die ganze Familie hilft mit.
Ein fasziniernder Einblick für mich in den Alltag der Weinproduzenten.
Ein fasziniernder Einblick für mich in den Alltag der Weinproduzenten.

Mit einer Flasche Wein im Gepäck, welche ich Walter ab Hof abgekauft habe, geht es nun weiter in Richtung Süden auf meinem Weg nach Spanien. Mille Grazie, Famiglia Micossi. Es war ein wunderbarer Aufenthalt und eine Freude, einen Einblick in die Weinproduktion zu bekommen.

Ein Erinnerungsfoto zum Abschied mit Walter vom Weingut Micossi
Ein Erinnerungsfoto zum Abschied mit Walter vom Weingut Micossi

Familiärer Weinbauernbetrieb Nähe Verona

Mein nächster Aufenthalt liegt nur 260 km südwestlich von Udine, in der Nähe der romantischen Stadt Verona. Wieder über die Camper-App Agricamper Italia habe ich ein weiteres liebevoll geführtes Weingut zum Nächtigen gefunden. In dem kleinen Örtchen Marano di Valpolicella liegt nur unweit der Kirche eine Weinkellerei, welche mit Leidenschaft zum Wein von Alessandro und seiner Gattin Susan aufgebaut wurde.

Auch hier werde ich mit großer Herzlichkeit empfangen und darf mich in den Hof auf einen geschotterten und gepflegten Parkplatz stellen. Gleich neben meinem heutigen Schlafplatz ragen die Weinkessel in die Höhe, wo bei meiner Ankunft noch fleißig gearbeitet wird. Im Keller des Hauses steht sogar ein WC und eine Dusche für Gäste bereit, das gesamte Weingut, der Hof und das Wohnhaus sehen sehr modern und äußerts gut gepflegt aus. Hier fühlt man sich wohl.

Mein Stellplatz für diese Nacht auf dem Weingut Ca' Matta, direkt hinter dem Privathaus und der Weinkellerei von Susan und Alessandro.
Mein Stellplatz für diese Nacht auf dem Weingut Ca' Matta, direkt hinter dem Privathaus und der Weinkellerei von Susan und Alessandro.
Und auch hier hat man einen herrlichen Ausblick auf die umliegenden Weingärten.
Und auch hier hat man einen herrlichen Ausblick auf die umliegenden Weingärten.

Einen Restaurant-Tipp gibt es an dieser Stelle auch gleich von mir, denn gleich hinter der Kirche, nur zehn Minuten Fußweg vom Weingut entfernt, befindet sich die Antica Trattoria Da Bepi. In der kleinen Gemeinde Marano di Valpolicella dürfte das das einzige Restaurant sein und ein Besuch lohnt sich definitiv. In dem gemütlich eingerichteten Gastraum fühlt man sich gleich willkommen und die elegant gedeckten Tische versprechen ein gastronomisches Erlebnis der Extraklasse. Sämtliche Gerichte auf der Karte klingen äußerst schmackhaft, ich schwanke zwischen hausgemachten Tagliatelle mit Trüffelsoße und einem Filetsteak mit Gemüse. Begleitet von einem Gläschen erlesenen Wein wird der Abend zu einem sehr schönen gastronomischen Highlight auf meiner Reise. Mit 35 Euro inkl. Nachspeise für köstliche Gerichte der – für mein Empfinden – höheren und exklusiven gastromischen Küche eine Top-Empfehlung wert.

Meine Gastgeber empfehlen mir, den Abend im Restaurant Da Bepi zu verbringen und ich genieße die köstliche italienische Küche mit einem Gläschen ausgezeichnetem Wein.
Meine Gastgeber empfehlen mir, den Abend im Restaurant Da Bepi zu verbringen und ich genieße die köstliche italienische Küche mit einem Gläschen ausgezeichnetem Wein.

Am nächsten Morgen statte ich meiner Gastgeberin Susan noch einen Besuch im Weinkeller und Verkaufsraum ab. Als Dankeschön für den tollen Service und die Möglichkeit der Übernachtung auf ihrem Grundstück möchte ich hier natürlich auch ab Hof einkaufen. Wir plaudern sehr nett und Susan schenkt mir auch einen Einblick in den Arbeitsalltag und wie viel Arbeit hinter der Produktion einer Flasche Wein steckt. Der gesamte Lebensrhythmus des Paares dreht sich um den Zyklus der wachsenden Traube über die Ernte bis hin zur Verarbeitung. Freizeit gibt es nur selten. Abschließend meint Susan lächelnd, dass es das aber wert ist, denn sowohl sie selbst als auch ihr Gatte Alessandro leben mit Leidenschaft für den Wein. Neben Wein wird von den beiden auch Olivenöl gepresst und ein hauseigenes Bier gebraut, in dem natürlich – wie kann es auf einem Weingut anders sein – auch Weintraube ihren Geschmack beigibt. Mit einer Flasche Wein, Olivenöl und zwei Bieren im Gepäck mache ich mich nun wieder auf den Weg.

Auch an diesem Morgen genieße ich das liebevoll dekorierte Umfeld mit Blick auf die Weingärten beim Frühstück.
Auch an diesem Morgen genieße ich das liebevoll dekorierte Umfeld mit Blick auf die Weingärten beim Frühstück.
In der Weinkellerei erzählt mir Susan ein wenig über ihren Alltag auf dem Weingut.
In der Weinkellerei erzählt mir Susan ein wenig über ihren Alltag auf dem Weingut.
Beim Ab-Hof-Verkauf am Weingut darf auch gerne verkostet werden. Zudem gibt es hausgemachtes Olivenöl und selbstgebrautes Bier.
Beim Ab-Hof-Verkauf am Weingut darf auch gerne verkostet werden. Zudem gibt es hausgemachtes Olivenöl und selbstgebrautes Bier.
Abschied von meiner herzlichen Gastgeberin Susan.
Abschied von meiner herzlichen Gastgeberin Susan.

Es war ein wunderschöner Aufenthalt auf den beiden Weingütern von Walter, sowie von Susan und Alessandro. Hier wird dem Gast nicht einfach nur ein Stellplatz zum Übernachten geboten. Man wird eingeladen, für einen Tag lang Teil der Familie zu werden, sich kennen zu lernen, einen Einblick in den Alltag der hier lebenden Menschen und deren Kultur zu bekommen und eine wunderbare Erinnerung mit nach Hause zu nehmen.

Es fällt mir schwer, mich von dieser idyllischen italienischen Weinlandschaft zu verabschieden. Doch warten schon neue Abenteuer auf mich...
Es fällt mir schwer, mich von dieser idyllischen italienischen Weinlandschaft zu verabschieden. Doch warten schon neue Abenteuer auf mich...

TIPP:

Apps wie Agricamper Italia, welche mittlerweile eine Vielzahl von privaten Stellplätzen anbieten, gibt es in vielen europäischen Ländern. In Österreich kann ich Schau aufs Land von Herzen empfehlen, weiters gibt es noch die Plattform Bauerleben. In Deutschland findet man Stellplätze auf Landvergnügen, in Frankreich auf France Passion und in Spanien auf España Discovery.

Das Prinzip ist auf allen Plattformen ähnlich:
Eine Jahresmitgliedschaft kostet in etwa 25-35 Euro je nach Plattform. Bei Schau aufs Land und Agricamper Italia kann die App gleich digital nach Registrierung und Bezahlung genutzt werden, bei einigen anderen wie z.B. France Passion werden die Karte und der Mitgliedsausweis mit der Post versendet.

Voraussetzung ist, dass man mit einem autarken Camper unterwegs ist und nur eine Nacht bleibt. Wobei der Begriff autark etwas gedehnt werden kann. Ich bin mit einem Fiat Scudo-Van unterwegs, habe kein WC und keine Waschgelegenheit an Board, bin aber stromtechnisch autark. Viele Gastgeber bieten WC und Dusche/Waschgelegenheiten oder auch Strom und Wasser an (oft gegen einen geringen Unkostenbeitrag), aber das ist eher die Minderheit, was die Auswahl der Plätze natürlich erheblich einschränkt. Vor allem in der Hochsaison empfiehlt es sich, dann sehr flexibel bezüglich der Reiseroute zu sein oder einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Mit einem voll autarken Mobil hat man hier natürlich eine deutlich größere Auswahl an Plätzen zur Verfügung.

Ausführlicher habe ich schon in einem früheren Beitrag berichtet, hier kannst du gerne nachlesen: Naturnahes Campen und regionale Betriebe unterstützend